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blog:2008:tag_-_basierte_organisation_vs._zeit_-_basierte_ordnung_und_volltextsuche

Tag - basierte Organisation vs. Zeit - basierte Ordnung und Volltextsuche

Oder: warum ich für URLs lieber Diigo/del.icio.us statt Twitter verwende.

Ohne Zweifel: Twitter mag nett sein, um zu sehen, was andere gerade machen. Und man kann natürlich auch weiter in die Vergangenheit schauen. Und wenn man etwas suchen will, benutzt man die Suche. Doch eines fehlt: systematisches Wiederfinden. Ich muss sagen, ich möchte eine URL, die ich heute finde, morgen wieder finden. Und genau dafür sind Tags wie geschaffen - wenn man sie systematisch benutzt. Ich kann mir nicht ernsthaft vorstellen, dass Twitter-Nachrichten von vor einigen Monaten noch ernsthaft jemanden interessieren (es sei denn, er forscht). Dagegen interessieren mich auch noch Bookmarks von vor einigen Jahren.

Ein weiteres Beispiel: Ich suche eine Software für BibTeX. Egal was, einfach alles, von Import über Verwaltung bis Verwendung. Eine kurze Suche bei del.icio.us nach Bookmarks mit den beiden Tags fördert eigentlich alles zu Tage, was man sich nur wünschen kann. Eine suche bei Google findet potenziell mehr. Aber potenziell auch viel mehr Inhalt, der überhaupt nicht dem entspricht, was ich eigentlich wollte. Generell gilt, je allgemeiner die Suchbegriffe, desto schwieriger wird es. Auch wenn man nach speziellen Kriterien sucht, z.B. eine Software für GNOME, kommen einem Tags sehr zu gute. Allgemein kann man natürlich sagen, dass man über Socialbookmarking-Dienste weniger Seiten findet als über eine herkömmliche Suche. Aber es gilt auch: Was man findet, ist sehr, sehr hochwertig.

Jetzt fehlt eigentlich nur, dass es eine Suchmaschine gibt, die all diese Tags extrahiert und durchsuchbar macht, so dass man nicht nur Tags von del.icio.us hat, sondern von allen möglichen Seiten. Das Mittel der Wahl lautet natürlich: RDF. Wie ich sehe gibt es so etwas schon (wenn auch ohne RDF), in der Form von http://tagcentral.net - allerdings seeehr langsaaam und die Ergebnisse der einzelnen Quellen werden getrennt präsentiert.

Ich habe eine interessante Studie zum Thema Can Social Bookmarking Improve Web Search? gefunden, generelles Fazit ist, wie ich auch schon festgestellt habe, dass es natürlich etwas wenig URLs gibt. Interessant ist auch die Feststellung, dass Tags häufig Stichworten im Inhalt entspricht. Aus meiner Erfahrung heraus muss ich sagen, das stimmt natürlich, aber oft sind derartige Stichworte auch in anderen Inhalten zu finden, die gar nichts mit dem Stichwort als solches zu tun haben. Genau hier sehe ich den Vorteil von Tags. Tags sind allermeist sehr gut auf den Inhalt der verlinkten Seite zugeschnitten und können auf Grund der Vielzahl an Benutzern den Inhalt besser kategorisieren als reine (Inhalts)Stichwörter. Noch einmal zum Beispiel der Software-Suche. Häufig gibt es Seiten mit der Beschreibung einer Software, aber ohne die Information, unter welcher Lizenz diese steht. Ein Benutzer, der ein Bookmark erstellt, könnte aber z.B. das Tag GPL hinzufügen - ein Vorgang, der bei einer herkömmlichen Suchmaschine sehr schwierig wäre.

Um zum Untertitel zurückzukommen: Warum muss ich URLs bei Twitter posten, als Tinyurl, wo man weder sieht, wohin die URL führt noch Popularität oder dergleichen feststellbar ist? Ist das nicht ein riesiger Rückschritt? Warum kann man nicht einfach del.icio.us in der Art wie Twitter verwenden? Oder wie bei Diigo, wo man sogar Kommentare auf der Seite selbst hinterlassen kann, man in der Sidebar direkt sieht, welche Kommentare hinterlassen wurde, wer die Seite noch gespeichert hat und wer alles Seiten dieser Domain gespeichert hat?

FriendFeed scheint da schon besser zu sein, dort kann man Bookmarks (u.a. via del.icio.us) direkt importieren, doch hier fehlen auch bei del.icio.us-Feeds die Tags vollständig. Warum werden Tags derartig wenig beachtet, wo sie doch eine derartig geniale Organisationsmethode darstellen? Irgendwie ist mir das ein echtes Rätsel.

Comments

Tipp: Hashtags. FriendFeed ist ein Aggregator, Twitter kann man dazu missbrauchen, ist es aber eher nicht. Wenn schon Aggregator dann bitte http://noserub.com/ ;)

1 | | 2008/05/12 15:41 | reply

Stimmt, Hashtags habe ich vergessen. Aber ich denke im Endeffekt bleibt es gleich, ich habe zumindest noch kein Tool gesehen, dass automatisch für die aktuelle URL passende Hashtags vorschlägt. ;) Bei FriendFeed ging es mir nicht um das, was es ist, nämlich natürlich ein Aggregator (wenn auch nicht ausschließlich), sondern um den Ansatz, der ja im Prinzip sehr ähnlich ist - ein einfacher, im Prinzip (bis auf Ausnahmen wie Hashtags) unorganisierter, Activity-Strom.

2 | | 2008/05/12 17:02 | reply

Was aber, wenn ein Tool deien ganzen Feeds nemen würde, auch witter, Blog, wasimmer, und die In halte vons elbst taggsed und dei ggf die ergebnisse zur sicting nochmal vorlegt oder dir über eine Zetachse Vorschläge zum Nachtaggen macht (weil sich neue Keywords ergeben haben?…)

Über sowas denk ich gerade nach - wie so was aussehen müsste ;)

3 | | 2008/05/12 22:34 | reply
	Feedreader und Socialbookmarking - eine noch ausstehende Synthese? - Content-space.de
	(tags: icommented feeds rss bookmarking)


	ZDNet.de IT-Business-Blog » Blog Archiv » Neuer Branchenverband: Arbeitsgemeinschaft Social Media
	(tags: arbeitsg
4 | | 2008/05/13 03:37 | reply

Ich habe gerade ein wenig recherchiert und einige Lösungen gefunden, wie automatisches Taggen funktionieren kann. Die Ergebnisse habe ich bei Diigo in eine Liste zum Thema Automatic Tagging gepackt, auch eine Slideshow dieser Seiten ist natürlich verfügbar. :-)

Jetzt müsste man nur noch ein PHP-Script bauen, dass RSS-Feeds einliest, automatisch taggt und dann wieder ausspuckt. Und das ganze noch irgendwie speichert, damit man manuell ändern kann und der Vorgang nicht bei jedem Abruf wiederholt werden muss. Super Idee, müsste ich mal schauen, ob ich das irgendwann (im Sommer?) implementieren kann…

5 | | 2008/05/13 16:44 | reply

Ich finde es auch schade, dass Tags zu wenig Beachtung geschenkt wird. Ich würde sogar soweit gehen, eine Tag-Verwaltung auch mit in das Betriebssystem zu integrieren. Wenn die Photosammlung mal etwas umfangreicher ist, ist es unglaublich schwer, sich in einem regulären Ordnersystem zurechtzufinden. Wenn man Ordner mit Kategorien gleichsetzt merkt man schnell, dass viele Fotos mehreren Kategorien zugeordnet werden können. Aber man möchte ja nicht die Bilder doppelt und dreifach im System verteilen. Linux/Unix geht da schon einen Schritt in die richtige Richtung. Soweit ich weiß, kann man dort in einigen Bildbetrachtern (KDE weiß ich, GNOME bin ich mir nicht sicher) mit Tags arbeiten. Schön wäre, wenn dies auf das ganze System ausgeweitet werden könnte, also auch Video, Audio und Textdateien so aufgefunden werden könnten. Darauf warte ich …

6 | | 2008/05/26 12:29 | reply

http://tagthe.net/ fehlt noch in der liste…

7 |
igor
| 2008/06/05 21:28 | reply

Danke, hab tagthe.net hinzugefügt.

8 | | 2008/06/06 10:23 | reply


N C H E R
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